Volume 1
Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst.
- Kaerst, Julius, 1857-1930.
- Date:
- 1917-]
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Credit: Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst. Source: Wellcome Collection.
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![Wie war aber der Gegensatz zwischen den Feldherrn Alexanders und der großen Masse des makedonischen Heeres auszugleichen? Zu¬ nächst wurde die Lage um so kritischer, als die makedonische Pha¬ lanx in Meleagros, einem der Generale, einen energischen Führer ge¬ wann. Die Spannung drohte in offene Feindseligkeiten überzugehen. Zwei makedonische Heerlager standen sich gegenüber. Eine solche Spaltung lag nun aber doch nicht im Interesse der Makedonen selbst, die durch einen gegenseitigen Kampf ihre Stellung in der Welt ge¬ fährdeten. Es gelang den vermittelnden Bemühungen einzelner, eine Aussöhnung zustande zu bringen. Arrhidaeos, der Halbbruder Ale¬ xanders, wurde unter dem Namen Philippos als König anerkannt; aber es sollte ihm, wenn von Boxane ein männlicher Nachkomme Alexanders geboren würde, dieser als Teilhaber der Herrschaft zur Seite treten — eine Auskunft, die dem Augenblick verdankt wurde und künftige Verwicklungen in sich barg. Mit der Beichsverweserschaft wurde Perdikkas betraut/) Anti- 1) Bel och, Gr. G. III 2 S. 236 ff. hat nachzuweisen versucht, daß die Reichs¬ verweserschaft dem Krateros übertragen worden sei. Er stützt sich insbesondere auf Arr. succ. Alex. 3: Kgaxegov de 7iQooxaxr]v xrjg Aggidalov ßaaiXetag (se. ehai ov/ißmvovoiv) und noch mehr auf Dexipp. frg. 1: xr\v de xrjöeiioviav xai öorj nQOOTaoia xrjg ßaoiXsiag Kgaxegog inexganr], o di) ngcdxioxov xijbiijg xeXog jzagä Maxedöoi (F. H. G. III S. 668). Nach seiner Ansicht sind zwei verschiedene Traditionen anzunehmen, die eine, die in der arrianischen Überlieferung ausgeprägt sei, die andere, die in den übrigen Quellen vorliege. Schon aus quellenkritischen Gründen werden wir von vornherein dieser Ansicht Beiochs Bedenken entgegenbringen dürfen. Es müßten jedenfalls sehr triftige Gründe beigebracht werden, wenn die diodorische Überlieferung so stark von der arrianischen geschieden werden sollte, wie dies eine Folge der Auffassung jenes Forschers sein müßte. Und es würde sich, wenn wir hier eine wesentliche Differenz zwischen Arrian und Diodor annehmen müßten, um eine historisch nicht unwichtige Frage handeln, um einen für das Verständnis der Gegensätze der ersten Diadochenzeit, die Beurteilung der Ursachen für den Ausbruch des ersten Diadochenkrieges wesentlichen Punkt. Wir würden, wenn Beloch recht hätte, den Bericht, den Diodor hierüber gibt, als unzutreffend verwerfen müssen. Nun ist es ja aber gar nicht der Fall, daß die auf Arrian zurückgehende Über¬ lieferung bezüglich der Reichs verweserschaft im Gegensätze zu den übrigen Quellen stände. Bei Dexippos frg. 1 werden übereinstimmend mit den übrigen Nachrichten oi negi Tlegdlxxav als diejenigen genannt, oi xgioei xöw Maxedovcov GTiexgonevov avxolg xijv äg%rjv. Mögen wir hierunter einen ursprünglich beabsich¬ tigten, aus Perdikkas' und Leonnatos, Krateros und Antipatros bestehenden Vormundschaftsrat verstehen (Just. XIII 2, 14, Curt. X 7, 8) oder, was wahr¬ scheinlicher ist, nur eine Umschreibung für Perdikkas selbst, etwa: „Perdikkas und seine Umgebung“, so steht dieser danach jedenfalls an erster Stelle der Reichsregierung. Und noch deutlicher heißt es bei Arrian succ. Alex. 3, daß mit der Stellung des Perdikkas die enagoni] xrjg %v]xndor\g ßaodslag verknüpft war. In der Heidelberger Epitome (Reitzenstein, Poimandres S. 312) wird Per-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980732_0001_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)