Zur Anatomie und Physiologie der Retina / von Hr. du Bois-Reymond.
- Emil du Bois-Reymond
- Date:
- [1877]
Licence: Public Domain Mark
Credit: Zur Anatomie und Physiologie der Retina / von Hr. du Bois-Reymond. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
2/7 (page 784)
![0» DO lil Lässt man einen im Dunkeln aufbewahrten Frosch durcl: einen Gehülfen köpfen, (am Besten so, dass der Unterkiefer an Rumpfe zurückbleibt), und präparirt mit möglichst geringem Zeit Verlust einen Augapfel, halbirt ihn mit einer Scbeere und zieh mit einer feinen Pincette die Retina von dem dunkeln Grunde des retinalen Pigments und der Chorioides ab, so erscheint sie in ersten Augenblick intensiv purpurroth gefärbt, so dass mar denken könnte, ein Blutgerinnsel mit der Pincette gefasst zu haben Während der nächsten 10, im günstigsten Falle 20 Secunden (I. Sta dium) verblasst diese Farbe allmälig und ist nach Verlauf diese; Zeit gewöhnlich vollständig verschwunden. Die Retina zeigt dann während der nächsten 30 — 60 Secunden, mitunter auch länge- (II. Stadium), einen atlasartigen Glanz. Allmälig verliert sich aucl dieser und die Retina wird vollkommen durchsichtig, in welchen Zustande sie eine Viertelstunde und auch noch länger verharrr (III. Stadium). Dann wird sie allmälig trübe und undurchsichti (IV. Stadium). Uber die Ursachen dieser bisher unbekannten optischen Eigen- schaften der physiologisch frischen Retina ergiebt die mikroskopi sehe Untersuchung, dass sowohl die Purpurfarbe des ersten wi der Atlasglanz des zweiten Stadiums ausscbliesslicli ihren Sitt it] haben in der Stäbchenschicht und zwar allein in den stark licht brechenden und aus äusserst feinen übereinander geschichteten Plätl: eben aufgebauten Aussengliedern, welche im ersten Stadium pui purroth erscheinen und innerhalb des zweiten Stadiums atlasarti i r glänzen. Gegen das Ende des zweiten Stadiums quellen die Stät! je eben auf und verlieren allmälig ihren Glanz, wie sie am Ende de( ;i ersten Stadiums ihre Purpurfarbe verloren haben. Ihr Brechungg index nähert sich dem der übrigen Retinaschichten und die Netz- haut wird jetzt, im dritten Stadium, vollkommen durchsichtig. Di' Trübung der Retina im vierten Stadium hat endlich ihren Grua nicht in Veränderungen der Stäbchenschicht, sondern in Gerinnui gen von Eiweisskörpern, welche in den übrigen Netzhautschichtei h, stattfinden. Diese Eigenthümlichkeiten der lebenden Retina finden sk^, bei allen Thieren, die überhaupt eine ausgebildete Stäbchenschicl- besitzen. Unter den Wirbelthieren konnte ich sie ausser bei de Amphibien noch nachweisen bei den Knorpel- und Knochenfische (von denen ich im Herbst d. J. in Viareggio eine grosse AuswaiJtt^, \ Ml](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21642631_0004.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)