Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender.
- Fasbender, Heinrich, 1843-1914.
- Date:
- 1897
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Credit: Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender. Source: Wellcome Collection.
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![Wenn auch die Lehre vom männlichen und weiblichen Samen älter ist als die Hippokratiker, so haben diese derselben doch eine ganz eigenartige, wesentlich veränderte Gestalt gegeben. Die Unterordnung, auch der Entwickelungsvorgänge unter das Pythagoreische Zahlengesetz und die Erörterung der Lebensfähigkeit der 7- bezw. Smonatigen Früchte auf dieser Grundlage finden sich schon in der vor-Hippokra- tischen Zeit. Die Einwirkung des Pneuma (ttvot]) auf die Differen- zirung der Glieder und Organe des Embryo ist bei den Hippokratikern mechanisch gedacht. Abgesehen von der Ernährung des Fötus, lassen die Hippo- kratiker auch abführende und andere, fremdartige Stoffe von der Mutter auf diesen übergehen. Die Priorität der Erklärung der Kopfendelage durch die Gra- vitation gehört den Hippokratikern, nicht Aristoteles. Die Milch hat weder nach der Hippokratischen, noch nach der alt-indischen Ansicht ihre Entstehung in den Brüsten. Beide bezügliche Ansichten lassen die Annahme einer Verbreitung der Milch im ganzen Körper, entsprechend der später entwickelten Lehre von den „Milchversetzungen, wohl verstehen. Unter den Hippokratischen Theorieen über die Bildung des Geschlechts findet sich bereits der Grundgedanke der Thury'sehen Hypothese; auch die Idee der Ploss'sehen in einer entgegengesetzten Annahme. Der Hippokratische Begriff der „Fehlgeburt deckt sich nicht mit dem unserigen. Die Lehre vom Auseinanderweichen der Hüftbeine inter partum beschränken die Hippokratiker ausdrücklich auf Erstgebärende. Das Fruchtwasser und der Woehenfluss konnten für die Hippo- kratiker in Consequenz ihrer Theorie von den Körperflüssigkeiten nichts Eigenartiges, speciell den puerperalen Vorgängen Zukommen- des sein. Bei der Discussion der Frage, ob das Xdoavov ein Geburts- stuhl gewesen, ist die Fassung des Hippokratischen Textes bisher nicht genau berücksichtigt worden. Die Ansicht, dass in den verschiedenen Bezeichnungen der Griechen für „Hebammen die fortschreitende Entwickelung des Standes ausgedrückt liege, ist nicht haltbar. Die Hippokratiker lassen die Geburt bei vollkommener](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21051525_0316.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)