Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender.
- Fasbender, Heinrich, 1843-1914.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
27/326 (page 5)
![Die Hippokratische Sterilitätslehre ist vom damaligen Gesichtspunkte aus geradezu als vorzüglich, in vielfacher Beziehung auch heute noch als durchaus verständig und sachlich zu bezeichnen. Manches Andere bietet die Hippokratische Gynäkologie, was volle Anerkennung verdient — ich verweise hier nur auf den Zu- sammenhang von Puerperium und Prolapsus, auf die genaue Kennt- niss der Abweichungen der Portio und die bezügliche mechanische Behandlung —, besonders, wenn wir den Vergleich mit der späteren Zeit, etwa gar dem Mittelalter ziehen, unsere Gynäkologie vor der antiseptischen Aera, abgesehen von den Fortschritten der Anatomie und Physiologie, in mancher Hinsicht nicht ganz ausgenommen. — Nur die Zeugungs- und Entwickelungslehre ist aus den Händen der Hippokratiker fast so hervorgegangen, wie sie ihnen von den Natur- philosophen überliefert worden, als wesentlich speculative, trotz- dem in dieser Beziehung ebenfalls das Princip der Beobachtung — an bebrüteten Hühnereiern — zur Anwendung gebracht wurde ^). Es liegen auch, wie wir später sehen werden, von ihrer Seite Unter- suchungen an Abortiveiern vor, nach *Galen, de foetuum forma- tione, ed. Kühn IV, p. 652 sq., die ersten, von denen die Geschichte der Embryologie berichtet, Galen sagt: Ittttoxpoctt]«; Ss Tcpwiöc wv ia[isv SYpa^Js tc Tispt StaTiXacso)? IjJißpDwv aXvj'ö'w?, Hippocrates autem primus om.nium, quos novimus, vere de foetuum formatione con- scripsit und zwar, fügt er hinzu, auf Grund sinnlicher Wahr- nehmungen — Beobachtungen, cdad-qTalq StaYVcbasotv — in nicht geringer Zahl — odS' ohv odSs zabtaiq okr(aiq ^). Die unter dem Namen des Hippokrates auf uns gekomme- nen medicinischen Schriften — das sog. Corpus Hippo- craticum —, deren sämmtlich ungenannte Verfasser mit der Sammelbezeichnung der Hippokratiker belegt werden, um- fassen die verschiedensten Gebiete der Medicin. Sie stellen aber doch nicht, wie man gesagt hat, in ihrer Gesammtheit eine medicinische Encyclopädie dar, weil ihnen dazu der innere Zu- sammenhang, die planmässige Abrundung zu einem Ganzen fehlt. Mehrfach enthalten sie Wiederholungen in fast wörtlicher Form, ^) Ueber die Hippokr. Medicin s. auch das ausgezeichnete Werk von *Puschmann, Th., Geschichte des medicinischen Unterrichts von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Leipzig 1889, p. 40 sqq. ^) Denselben Ausdruck für das, was man durch die Sinne erkennt, also wirklich beobachtet, — im Gegensatz zu Ergebnissen der Reflexion — s. '''Galen, Kühn II, 145 sq.: xaii; cdod-ri^sGi ot.rj.^i^(V(üov.soQ-r/.i.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21051525_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)