Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender.
- Fasbender, Heinrich, 1843-1914.
- Date:
- 1897
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Credit: Entwickelungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften : eine kritische Studie / von H. Fasbender. Source: Wellcome Collection.
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![der allgemeinen Therapie, den Wandelungen der Jahrhunderte Stand gehalten. Gerade in unseren heutigen praktisch-medicinischen Grund- anschauungen erinnert Manches an die Hippokratiker ^). So fand die Hippokratische Medicin zuerst die allein richtige Bahn, in der sich die Naturforschung zu bewegen hat, und wurde damit zum Ausgangspunkte für die Entwickelung der Heilkunde in einer naturwissenschaftlichen Richtung, die von der Abfassung ausgezeichneter Krankengeschichten end- lich zur planmässigen Verwerthung des Kranken- materials im Sinne einer klinischen Methode führ*te. Kein Volk des Alterthums hat eine Medicin aufzuweisen, die, weniger noch nach Massgabe des positiven Gehalts, als vielmehr nach dem Wesen, nach der Art der Auffassung m edicinischer Dinge, der Hippokratischen an die Seite gestellt zu werden ver- dient. Mögen dabei auch die eigenen Errungenschaften noch ausschliesslich praktische sein, entsprechend dem Hauptziele, das die Hippokratiker selbst ihren Bestrebungen setzten: )(p7] 8s TÖ voasov — de artic. Kühn HI, 261 sq. —, in erster Linie muss in der ganzen Kunst darauf hingearbeitet werden, ,dass man das Kranke gesund mache. Das über die Medicin im Allgemeinen Gesagte gilt im Ganzen auch von der Geburtshülfe und der Gynäkologie, was um so mehr zu bewundern ist, als diese Gebiete in jener Zeit ausser- halb des gewöhnlichen Wirkungskreises der Aerzte lagen und, schwere Ausnahmefälle abgerechnet, den Hebammen zufielen. Fast sollte man allerdings Anstand nehmen, dieser letzteren, übrigens auch von mir nicht bestrittenen Annahme beizutreten, wenn man beispielsweise die rationellen äusseren, in ihrer Tragweite allerdings nicht genau zu bestimmenden geburtshülflichenEncheiresen der Hippokratiker würdigt und beispielsweise findet, dass sie bereits combinirte äussere und innere Handgriffe zur Ausführung der Wendung kannten. Nicht leicht zu vereinigen mit der herrschen- den Meinung, dass die Behandlung der kranken Frauen so gut wie ausschliesslich Frauen (Hebammen) zugefallen sei, ist auch die Stelle de mul. morb. I, Kühn H, 686, wo in dieser Beziehung ohne Ein- schränkung nur von Aerzten — iTjTpoi — die Rede ist. ^) Vergl. den * Vortrag von J. Petersen auf dem Congresse für innere Medicin in Wiesbaden, 1889.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21051525_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)