Körperpflege und Kleidung bei den Deutschen von den ältesten geschichtlichen Zeiten bis zum 16. Jahrhundert / von Moriz Heyne.
- Moritz Heyne
- Date:
- 1903
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Credit: Körperpflege und Kleidung bei den Deutschen von den ältesten geschichtlichen Zeiten bis zum 16. Jahrhundert / von Moriz Heyne. Source: Wellcome Collection.
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![Die Leibesgestalt der alten Germanen lernen wir teils aus römi- schen Bildwerken, teils aus schriftlichen Quellen kennen, und die letz- teren sind in ihren gelegentlichen Notizen für uns vielfach instruktiver als die ersteren, die den grösseren Wert für Kleidung und Bewaffnung haben. Des Wuchses Schlankheit wird als Kennzeichen der Germanen hervorgehoben33), und damit eine ausgebildete Schwimmkunst in Zu- sammenhang gebracht34); oder das Schlanke erscheint auch gesteigert als hoher Wuchs, Körperfülle, enorme Grösse, im allgemeinen sowohl, wie bei der Schilderung einzelner Personen. So redet Tacitus von dem ungeheuren Körperbau der Germanen35), erzählt Dio Cassius35b), wie die Germanen die Römer so überragen, dass die letzteren an jenen emporspringen, um ihnen den Todesstoss im Kampfe zu versetzen; Vellejus Paterculus berichtet von den riesenhaften Körpern des kinder- reichen Chaukenvolkes3<3), Ammianus Marcellinus von den starken, hochgewachsenen Alemannen37), Sidonius Apollinaris von den sieben- füssigen Burgundern3S), Prokop von der grossen Gestalt der Goten39). An Personen werden nach solcher Richtung besonders hervorgehoben Marbods hervorragender Körperbau40), Segests mächtige Grösse41), Odoakers hoher Wuchs, sodass er sich bücken muss, um nicht das Dach einer Mönchszelle mit seinem Scheitel zu berühren, und manches ähnliche andere42). Nur darf nicht vergessen werden, dass bei solchen 33) si quem procerum habitu et juventa conspexerunt: TACITUS Hist. 4, 1. est plerisque procera pueritia (BatavorumJ: 14. procera rnembra: Annal. 1, 64. 34) vgl. unten § 2, Anm. 3. 35) immensis corporibus: Hist. 5, 18. 35 b) B. 38, 49. 50. 36) omnis eorum Juventus infinita numero, immensa corporibus: hist. Rom. 2, 106. 37) Alemanni robusti et celsiores: XVI, 12, 47; grandissimis . . corporibus freti: ebenda. 38) Bwgundio septipes; Epist. VIII, 9, 34 (ed. Lütjohann S. 136). spernit senipedem stilum Thalia, ex quo septipedes videt patronos: Carm. XII, 10f. (S. 231). 39) bell. Vand. 1, 2 {tvui]-/.tis). 40) Maroboduus genere nobilis, corpore praevalens, animo ferox, natione magis quam ratione barbarus: VELLEJUS PATERC. II, 108. 41) Segestes ipse, ingens visu: TACITUS Ann. 1, 58. 42) EUGIPPIUS Leben des heil. Severin Cap. 7. vgl. auch PAUL. DlAC. 1, 28 über die schlanke und kampfkräftige Gestalt des Langobardenkönigs Alboin; 5, 10 über den starken Amalong, der mit dem königlichen Speer .ein Griechen- männlein durchbohrt, es aus dem Sattel hebt und in freier Luft über seinem Haupte trägt; 5, 33 über den gewaltigen Körperbau Grimualds; 5, 40 über ähn- lichen Kuninkperts, u. s. \v. Ausführliche Schilderung des Westgotenkönigs Theoderich II. (453 — 466) nach seinem Äussern (longissimis brevior, procerior eminentiorque mediocribus) bei SlDON. APOLL. I, 2, 2. Schon im J. 88 v. Chr. hat der Sophist Aristion in einer begeisterten Lobrede auf Mithridates in Athen einen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21020139_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


