Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![] c (ii'sciiiclitlirlic Eiiili'itunji. lel)oii(len \;itiii, in welcliciii ci' den (iedaiikeii der Kntwicklun.uslehre in voller Klarheit ausspricht und durchtührt. Es heil.lt dort z. V>.: ..In Jedem lebenden Wesen liegt die Fälligkeit zu einer endlosen Maning- faltigkeit der (Jestaltungen; jedes besitzt das \erniögen. seine Organi- >ation den \'eränderungen der äußeren Welt anzuj)assen. und dieses durch den Wechsel des Universums in Tätigkeit gesetzte \'ermr)gen ist CS, was die einfachen Zoophyten dei- Vorwelt zu immer Iniheren Stufen der Organisation gesteigert und eine zahllose Mannigfaltigkeit in die Natur gebracht hat.'- Wo nun aber die treibende Kraft liegt, welche diese Umwand- lungen von den niedeisten zu immer höheren Lebensformen hervor- bringe, auf diese Frage wagte offenbar Treviranus noch nicht einzu- gehen. Dies zu tun und den ersten Schritt zu einer kausalen Erklärung <ler angenommenen Umwandlungen zu wagen, war seinem Nachfolger vorbehalten. Jean IUptiste de Lamarck. geboren 1744 in einem Dorf der Picardie. war zuei-st Soldat, dann Botaniker und erst zuletzt auch Zoolog. W'issenschaftlich bekannt machte er sich zuerst durch seine 1778 er- schienene Flora von Frankreich, und die Zoologie ehrt seinen Namen als des ei'sten Begründers des Begi'iffs der ..Wirbeltiere. Nicht daU er sich gerade mit diesen besonders eingehend beschäftigt hätte, aber er er- kannte die enge Zusammengehörigkeit der betreffenden Tierklassen, die dann si)äter von Cuvier mit dem Namen des ,,Tv[)us oder ..Embranche- ment systematisch bezeichnet wurde. Dieser Mann trug in seiner 1S()1> erschienenen ..Philosophie zoo- logi(jue eine p]ntwicklungslehre vor, deren Wahrheit er zunächst da- durch zu eihärten suchte, daß er — wie dies auch Treviranus getan hatte — zeigte, daß der Begriff' der Art, auf deren Unveränderlichkeit die ganze bisherige Schöi)fungsliypotliese ruhte, ein künstlicher, von uns in die Natur hineingetragener sei, daß sie dort gar nicht als scharf umschriebene Formengruppen vorhanden seien, daß es vielmehr häutig schwierig und nicht selten ganz unmöglich sei, eine Art scharf von i)e- nach])arten Formen abzugrenzen, weil t'bergänge sie nach allen Seiten hin mit diesen verbinden. Solche ineinanderfließende Formenkreise deuteten aber darauf hin, daß die Lehre von der Unvei'änderlichkeit der Arten nicht richtig sein könne, so wenig als die von ihi-er al)soluten Natur: die Arten seien nicht wirklich unveränderlich und nicht so alt. wie die Natur, sie seien nur für gewisse Zeiträume unveränderlich. Die Küize unsei-es Lebens hindert uns, dies direkt zu erkennen: „Lebten wir noch viel kürzer, etwa nur eine Sekunde, so würde uns der Stunden- zeigei- der Uhr stillzustehen scheinen und selbst die kombinierten Be- obachtungen von .')() (lenerationen würden nichts Entscheidendes über die Bewegung dieses Zeigers herausbringen, und dennoch bewegte er sich. Die Ursachen nun, auf welchen nach Lamarcks Meinung die Umwandlung der Arten, ihre Umbildung zu neuen Arten beruht, liegen in dem Wechsel der Lebensbedingungen. dei- von den ältesten Zeiten der Erdgeschichte bis auf unsere Tage unausgesetzt stattgefunden haben müsse, einmal hier, einmal dort, teils durch klimatischen oder Nahrung.^- wechsel. teils durch \'eränderungen der l'idiinde. Auftauchen und Unter- sinken von Landmassen usw. bedingt. Diese \'eiändeiungen haben teils direkt, also z. B. durch Wäiine oder Kälte, den Kiuperbau verändert, teils, und zwar in ganz hervorragender Weise indiiekt. nämlich so. dal.) N'eräiidcnnmcn in den Lebensbedingungen zunächst eine Art ver-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)