Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![<; KiiiüTcifcii in allu«- ine XOivtcllimi:.'!!. iiiciiKUid iiK'lir daran, das aus niclit> auch iiicht.-> weiden kann. Kiaft und Stört' sind ewii^ und unveiKünj^licli. sie können niclit vermeint und nicht vermindert, nur umgewandelt werden. Wärme in mechanische Kraft, in Elektrizität, in Licht u. s. w. Den Blitz schleudert für uns moderne Menschen nicht mehr der Donnerer Zeus auf das Haupt des Schuldigen, sondern unbekümmert um Verdienst und Schuld fährt er da nieder, wo die elektrische Spannung auf dem leichtesten und kürzesten Wege aus- geglichen werden konnte. So denken wir uns heute auch. daU kein Ereignis im Bereich des Lebendigen auf Willkür beruht, dal;! zu keiner Zeit Organismen aus nichts durch ein Machtwort des Sdnipfers ent- standen, sondern daß sie jederzeit aus dem Zusammenwirken dei- voi'- handenen Naturkräfte hervoi-gegangen sind, daß eine jede Art gerade da und gerade zu der Zeit und in solclier Form entstehen mußte, wie sie tat- sächlicli entstanden ist. als notwendiger AusHuß der vorhandenen auf- einander wii'kenden Kräfte und Massen. In der Lhiterordnung auch dci- lebenden Natur unter die Naturkräfte und Naturgesetze, darin beruht die allgemeinste Bedeutung der Entwicklungslehre: sie fügt den Schlul.!- stein in das (lewölbe unserer Naturauttassung ein und gestaltet dieselbe zu einer einheitlichen: sie erst macht die \'orstellung eines Weltmecha- nismus möglich, in dem jeder Zustand die Folge des vorhergehenden und die Ursache des folgenden ist. Wie tief sie eingreift .in alle unsere früheren Anschauungen, das kann man sich leicht khir maclien, wenn man nur den einen Punkt der Abstammung des Menschengeistes von dem tierischer ^■oI•fahren ins Auge faßt; was s;»ll da aus der X'ernunft des Menschen, seiner Moral, seiner Willensfreiheit wei'den. so kcinnte man fragen, und so hat man gefragt und fragt häutig noch so. Was man für etwas absolut Ver- schiedenes vom Wesen des Tieres gehalten hatte, das soll jetzt nur graduell von seinen (ieistestätigkeiten verschieden sein, soll sich aus jenen entwickelt haben: der (ieist eines Kant, eines Laplace oder Darwin, oder wenn wir auf das Gebiet des höchsten und feinsten (Je- fühlslebens blicken — der (ieist eines Raphael oder Mozart — soll in irgend einem, wenn auch noch so weit zurückliegenden realen Zu- sammenhang mit dem niederen Seeleiüel)en eines Tieres stehen! Das streitet gegen alle unsere überkommenen, fast m()chte man sagen ein- geborenen \'orstellungen. und es ist wahrlich nicht zu verwundern, wenn die Laienwelt und gerade die feingebildete sich gegen eine solche Lehre verwahrte, deren zwingende Kraft sie nicht verstehen konnte, weil ihr die 'l'atsachen fremd waren, auf welcher sie ruht. Vom Standiumkte des Naturforschei's erscheint es freilich fast komisch, wenn der Mensch sich durch die Abstammung vom Tiere entwürdigt glaubt, weiß er doch, daß jedei' von uns in seinem ersten Anfange eine noch unendlich viel niedere Stufe des Lebens einnahm als unsere Säugetiervorfaliren. die Stwfe nändich der Amöbe, des mikrosko])isch kleinen einzelligen Wesens, welches beinahe noch keine Organe besitzt und dessen geistige Tätig- keiten auf das Eikennen und \'eischlingen seinei' Nahiuug beschränkt >iii(l. Erst sehr allmindicli. Stufe um Stufe entwickeln sich aus dieser eisten Zelle, dem Ei, ihrer mehrere und immer zahlreichere, sondert sich dieser Zellenliaiifen in verschiedene (inippen, die sich mehr und UKihr diH'erenzieren. bis schließlich der vollendete Mensch daraus wird. Dies geschieht bei ^jeder Entstehung eines Menschen, und wir sind nur nicht gewohnt, daran zu denken, daß dies nichts anderes bedeutet, als](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


