Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![Leiten^ durch Kiemen, so besitzen sie dooli in fiüliester Jugend, d. h. während ihrer ersten P^ntwicklung im FA jene Kiemenbogen und Kienien- spalten. die si)äter schwinden odei' sich in andere Teile umwandeln. Auf (Irund dieses ..biogenetischen Gesetzes konnte man auch vorhersagen, daü der Mensch, der bekanntlich 12 Kiitpenpaare besitzt, in seiner frühesten Jugend deren 1.') hal)en würde, denn die niederen Säugetieie haben zahlreichere Rippen, und noch unsere nächsten \'er- wandten. die menschenähnlichen Alien, (ioriila und Schimpanse, zeigen eine 13.. freilich sehi- kleine Rippe, der Sianiang deren sogar nocli eine 14. Auch diese \'orhersage hat sich durch die Untersuchung junger menschlicher Embryonen bestätigt, bei denen in der Tat eine kleine, sehr bald wieder schwindende 1;>. Ripi)e vorhanden ist. Als ich mich in den siebziger Jahren mit der Entwicklung der eigentümlichen Zeichnung beschäftigte, welche den langen Körper der Schmetterlingsraui)en häutig schmückt, untersuchte ich besonders die Raupen unserer Si)hingi(len oder Schwärmer und fand durch \'erglei- chung der verschiedenen Entwicklungsstufen ihrer Zeichnung vom Aus- schlüpfen der Raupe aus dem Ei an bis zum vollen Heranwachsen der- selben eine bestimmte Aufeinanderfolge verschiedener Zeichnungsarten, die sich bei einer Reihe von Arten in ähnlicher Weise ablösten. Fußend auf der Entwicklungslehre schloß ich daraus, daß die Zeichnung der jüngsten Räupchen, einfache Längsstreifung. auch diejenige der ältesten Vorfahren der heutigen Arten gewesen, diejenige der späteren Stadien aber, eine Schrägstreifung, erst von späteren \'orfahren erworben worden sein müsse. War dies richtig, dann mußten alle Raupenarten, welche heute in erwachsenem Zustande Schrägstreifung aufweisen, in ihren frühen Jugend- stadien Längsstreifung l)esitzen. und so konnte ich auf (xrund dieser in der Einzelentwicklung sich folgenden Zeichnungsarten voraussagen, ilaß die damals noch unbekannte Jugendform der Raui)e unseres Liguster- schwärmers. Sphinx Ligustri. einen weißen Längsstreifen zu beiden Seiten des Rückens aufweisen müsse. Ein Jahrzehnt si)ätei- gelang es dem englischen Zoologen Poulton. Eier vom Ligusterschwärmer zu erhalten, und da zeigte es sich, daß die jungen Räupchen die ])ostulierten Längs- streifen wirklich besaßen. Solche \'orliersagen erteilen ohne Zweifel der \oi-aussetzung. auf welcher sie fußen, der Entwicklungslehre, einen hohen (irad von Sicher- heit, fast vergleichbar der l)erühniten \ oraussage des Planeten Neptun durch Leverrier. Bekanntlich würde dieser fernste aller Planeren, dessen Emlaufszeit um die Sonne fast Kk) Erdenjahre beträgt, schwer- lich jemals aufgefunden oder doch als Planet erkannt worden sein, hätte nicht zuerst ein Astronom der Londoner Sternwarte (Adams), dann Leverrier durch kleine Störungen in der Rahn de^ Lranus seine An- wesenheit erschlossen uiul die Stelle bezeichnet, an welcher sich ein unbekannter Planet befinden müsse. Nun richteten sich alle Fernrohre nach der bezeichneten (iegend des Himmels, und auf der P.erliner Stein- waite fand (Ialle den gesuchten Planeten. Man würde mit Hecht denjenigen für uiiznieclinuiig.-fäliig halten, dci- volclieii Erfahrunizen gegenül)er den Umlauf der Erde um die Sonne iKicli in Zweifel ziehen wollte, uml mit (lemsell)en Recht würde man dies jemandem gegenüber tun düifen. der bei den heute bekannten Tat- sachen die Richtigkeit der Entwicklungslehre liezweifeln wollte. Sie ist die Pasis. von wejciier mun allein ein \(Mständni> dieser Tatsachen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


