Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![er fiii- uns nocli sichtliar oder nicht. Wenn es übeiliaui)t eine Schwer- kiaft gibt, dann niul;l sie überall wirken, wo materielle Massen vor- handen sind, und so muß auch das Zusammenarbeiten gewisser Be- dingungen mit gewissen vitalen (irnndkräften ül)erall denselben Prozeß der Selektion hervorrufen, wo lebende Wesen vorhanden sind: also nicht Idoß «liejenigen Lebenseinheiten, welche wir noch wahrnehmen können, wie Individuen und Zellen, sind der Selektion unterworfen, sondern eben- sosehr auch diejenigen, welche wir nur noch mit dem \'erstand zu er- kennen vermögen, weil sie für unsere Mikroskope zu klein sind. In dieser Übertragung des Selektionsprinzips auf alle Stufen lebender Einheiten liegt dei- Kernpunkt meiner An- sichten: dieser Gedanke ist es, zu dem diese Vorträge hin- leiten und der — wie ich glaube — die Bedeutung dieses Buches ausmacht: er wird dauern, auch wenn selbst alles andei-e darin sich als vergänglich erweisen sollte. Manche werden sich vielleicht wundern, daß in den ersten \'or- trägen so manches längst Bekannte von neuem dargestellt wird, allein ich halte es für uneiläßlich. daß. wer immei- über den Selektionsgedanken ein eigenes Urteil gewinnen will, nicht bloß das Piinzip desselben sich klar mache, sondern auch über seine Machtsphäre eine eigene Auffassung gewinne. Zahlreiche .schiefe Urteile über ..Xaturzüchtung würden kaum ans Licht getreten sein, wenn ihre Urheber etwas mehr von den Tat- sachen gewußt, wenn sie eine Ahnung gehabt hätten von der unerschöpf- lichen Fülle von Erscheinungen, welche allein in diesem Prinzip ihre Erkläiung tinden köimen. soweit wir eben ül)erhaupt Erklärungen <les Lebens zu geben imstande sind. Aus diesem (irunde bin ich so genau auf die Farbenan])assungen. besonders auch auf die Mimikrv-Fälle ein- gegangen; ich wollte dem Leser einen fe.sten Bestand von Tatsachen an die Hand geben, aus welchem er jederzeit das Passende herausgreifen kann, wenn es sich im späteren Verlauf des Buches um die Prüfung schwieligerer Fragen an den Tatsachen liandelt. Zum Schluß möchte ich noch denen Dank sagen, die mir bei diesem Buch auf die eine oder die andere Weise Beistand geleistet haben: meinem früheren Assistenten und Freund Professor V. Hacker in Stuttgart, meinen Scliülern und Mitarbeitern Herren Dr. (iüxTHER und Dl-. Petrunkewitsch, und dem Herrn X'erleger. der meinen Wün- Br.. den 20. Februar 11M)i>. August Weismann.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


