Grundriss der gynäkologischen Operationen / von M. Hofmeier.
- Hofmeier, M. (Max), 1854-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Grundriss der gynäkologischen Operationen / von M. Hofmeier. Source: Wellcome Collection.
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![Auch ist die Neigung dieser künstlich hergestellten Blasenscheiden- fisteln zur spontanen Verheilung eine sehr große. Mehrere vonSchroeder in dieser Weise ausgeführte Operationen verliefen gut, trotzdem in dem einen Falle ein Defekt der ganzen Blasenwand (wenn ich nicht irre, mit Eröffnung der Peritonealhöhle) eingetreten war. Längere Zeit nach der ersten Operation wurde die Blasenscheidenfistel geschlossen. Kaltenbachi) erzielte in einem ähnhlichen Fall bei sofortiger Naht der Fistel Heilung; KuemmeP) vernähte die verschiedenen Gewebssehichten isoliert mit fortlaufender Catgutnaht und erzielte gleichfalls mit einer kleinen Nachoperation völlige Heilung. Wir selbst haben zweimal bei Blasenkarzinom die Operation versucht, aber beidemale nach Ausführung des Blasenscheidenschnittes die Operation wieder aufgeben müssen, weil die Neubildung die Umgebung bereits infiltriert hatte. Der eine Fall zeichnete sich dadurch aus, daß es sich um ein bald faustgroßes, ausgesprochen blumenkohlartiges, zerfallendes Karzi- nom handelte, welches bei einer .^)4jä]irigen Frau den Erscheinungen nach in 6 bis 7 Wochen sich gebildet hatte, ohne jede Spur von Blasenblutungen bei heftigen anderen Beschwerden. (S. die reiche Kasuistik in den Frommel'schen Jahresberichten.) Ad 3. Die Ausführung des Blasenscheidenschnittes ist in seltenen Fällen angezeigt, um eine andauernde Entleerung des Urins zu bewirken. In Kap. V, Abschnitt D, haben wir diejenigen Maßregeln schon dargestellt, welche gewöhnlich bei chronischen Blasenkatarrhen zu diesem Zwecke Verwendung finden. Doch gibt es Fälle von chroni- scher Entzündung mit Hj^-pertrophie der Muscularis und einem so unerträglichen Tenesmus vesicae, dabei einer so hohen Empfindlichkeit der Blasenschleimhaut, daß das Einlegen irgend eines Instrumentes durchaus nicht vertragen wird. In solchen Fällen ist wiederholt mit vortrefflichem Erfolge der Blasenscheidenschnitt gemacht worden, um zunächst endgiltig den Entzündungszustand der Blase ausheilen zu lassen. Ad 4. Die Eröffnung der Blase, um von hier aus in dieselbe durchgebrochene und nicht zur Heilung kommende Abszeßhöhlen durch Drainage und direkte Behandlung zur Ausheilung zu bringen, ist wohl noch seltener gemacht worden, wie die eben genannten Ope- rationen. Doch kann tatsächlich in solchen Fällen dies als der letzte Ausweg erscheinen, um jahrelangen, erschöpfenden Eiterabgängen schließlich ein Ziel zu setzen. Man kann nach Erweiterung der Urethra versuchen, von hier aus den Fistelgang zu erweitern, eventuell Jodo- formemulsionen oder Höllensteinlösungen etc. einzuspritzen, oder man kann, wie Schroeder es in drei Fällen getan hat,^) die Blase durch die Sectio alta von oben her eröffnen, die nötige Behandlung von hier aus leiten, und nach der Verheilung der Abszeßhöhlen die Blasenbauch- fistel durch die Naht wieder schließen. In diesen drei Fällen erfolgte die Verheilung gut. 1) Langenbeck's Arch., Bd. XXX. 2) Kuemmel: Zur Operation und Diagnose der Blasentumoren. Deutsche medic. Wochenschr. 1887. 3) Siehe Veit: Verhandlungen d. Deutsch. Ges. f. Gyn., Bd. 1, pag. 248.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21173072_0590.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)