Licence: Public Domain Mark
Credit: Übungen / von Otto Thilo. Source: Wellcome Collection.
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![des Kranken gelang es, durch Stunden lange Übungen die Herrschaft über die Abduktoren seiner Beine in so weit wieder zu gewinnen, dass er einige hundert Schritte gehen konnte, wenn er am Arme geführt wurde. Er ließ sich von seiner Wohnung in meine Anstalt führen, wo er Halbbäder und Massage gebrauchte. Seinen geschwächten Rücken stützte ein Zeugkorsett mit Kundstäben, wie ich es in Langenbeck's Archiv 1895 beschrieben habe. Es hatte also auch in diesem verzweifelten Falle der Kranke durch energische und mit Verständnis ausgeführte Übungen sein Gehvermögen wieder erlangt, obgleich seine Blindheit bei den Übungen ihn sehr störte. Ich habe diese Übungen der Abduktoren der Beine auch mit Erfolg bei Reizzuständen der Adduktoren angewandt und in einigen Fällen von Genu valgum. Bei dieser Erkrankung wurden allerdings zugleich Schie- nen mit korrigirenden Seitenzügen am Kniegelenk getragen. Bei Übung der Adduktoren werden die Schnüre so gelegt, dass sie sich nicht kreuzen, sondern die eine Schnur nach rechts, die andere links vom Tischrande herabhängt. Eine Grundbedingung für diese Übungen ist, dass die Beine auf einer möglichst glatten Fläche bewegt werden. Hierzu wird die Fläche mit Wachstuch bedeckt, auf welches man Talk streut. Auch genügt in vielen Fällen eine glatt polirte Tischplatte, be- sonders wenn der Kranke wollene Unterbeinkleider und Strümpfe trägt. Vollständig kann man die Reibung auf einer Unterlage vermeiden, wenn man die Beine an der Decke aufhängt mit Schnüren, die in der Nähe des Fußgelenkes befestigt werden. Liegend ist diese Übung bedeutend schwieriger als sitzend auszuführen. Bei hochgradig geschwächten Ad- duktoren gelingt das Schließen der Beine, mit Widerstand durch Ge- wichtszüge, am besten, wenn man die Füße so aufhängt (Fig. 11), dass die Hacken höher stehen als das Sitzbrett, d. h. wenn die Längsachsen der Beine mit der Platte des Sessels einen Winkel von etwa 30° bis 40 bilden. Die Schnur mit den Gewichten lasse ich über einen Holzstab ziehen, der durch die Lehnen zweier Wiener Stühle geschoben ist. Das Strecken des Oberschenkels im Hüftgelenk mit Widerstand (Fig. 17, 18 und 20] wird ausgeführt, indem der Kranke sich so auf die Kante eines Tisches setzt, dass er sich mit einem Fuße auf den Fußboden stützt (Fig. 18), mit den Händen hält er sich an der Tischplatte. Durch das Sitzen auf der Tischkante wird das Becken festgestellt. Die Rollenschnur befestigt man am Fuße mit einem Riemen, der 8-förmig das Fußgelenk umschlingt. Diese Schnur zieht man über eine Rolle, welche unten an der Stange (etwa 60 cm über dem Fußboden) angebracht ist, und verbindet sie mit der Schnur der oberen Rolle (Fig. 18). Ich ließ diese Übung mit großem](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2038967x_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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![des Kranken gelang es, durch Stunden lange Übungen die Herrschaft über die Abduktoren seiner Beine in so weit wieder zu gewinnen, dass er einige hundert Schritte gehen konnte, wenn er am Arme geführt wurde. Er ließ sich von seiner Wohnung in meine Anstalt führen, wo er Halbbäder und Massage gebrauchte. Seinen geschwächten Rücken stützte ein Zeugkorsett mit Kundstäben, wie ich es in Langenbeck's Archiv 1895 beschrieben habe. Es hatte also auch in diesem verzweifelten Falle der Kranke durch energische und mit Verständnis ausgeführte Übungen sein Gehvermögen wieder erlangt, obgleich seine Blindheit bei den Übungen ihn sehr störte. Ich habe diese Übungen der Abduktoren der Beine auch mit Erfolg bei Reizzuständen der Adduktoren angewandt und in einigen Fällen von Genu valgum. Bei dieser Erkrankung wurden allerdings zugleich Schie- nen mit korrigirenden Seitenzügen am Kniegelenk getragen. Bei Übung der Adduktoren werden die Schnüre so gelegt, dass sie sich nicht kreuzen, sondern die eine Schnur nach rechts, die andere links vom Tischrande herabhängt. Eine Grundbedingung für diese Übungen ist, dass die Beine auf einer möglichst glatten Fläche bewegt werden. Hierzu wird die Fläche mit Wachstuch bedeckt, auf welches man Talk streut. Auch genügt in vielen Fällen eine glatt polirte Tischplatte, be- sonders wenn der Kranke wollene Unterbeinkleider und Strümpfe trägt. Vollständig kann man die Reibung auf einer Unterlage vermeiden, wenn man die Beine an der Decke aufhängt mit Schnüren, die in der Nähe des Fußgelenkes befestigt werden. Liegend ist diese Übung bedeutend schwieriger als sitzend auszuführen. Bei hochgradig geschwächten Ad- duktoren gelingt das Schließen der Beine, mit Widerstand durch Ge- wichtszüge, am besten, wenn man die Füße so aufhängt (Fig. 11), dass die Hacken höher stehen als das Sitzbrett, d. h. wenn die Längsachsen der Beine mit der Platte des Sessels einen Winkel von etwa 30° bis 40 bilden. Die Schnur mit den Gewichten lasse ich über einen Holzstab ziehen, der durch die Lehnen zweier Wiener Stühle geschoben ist. Das Strecken des Oberschenkels im Hüftgelenk mit Widerstand (Fig. 17, 18 und 20] wird ausgeführt, indem der Kranke sich so auf die Kante eines Tisches setzt, dass er sich mit einem Fuße auf den Fußboden stützt (Fig. 18), mit den Händen hält er sich an der Tischplatte. Durch das Sitzen auf der Tischkante wird das Becken festgestellt. Die Rollenschnur befestigt man am Fuße mit einem Riemen, der 8-förmig das Fußgelenk umschlingt. Diese Schnur zieht man über eine Rolle, welche unten an der Stange (etwa 60 cm über dem Fußboden) angebracht ist, und verbindet sie mit der Schnur der oberen Rolle (Fig. 18). Ich ließ diese Übung mit großem](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2038967x_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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